# Schritt 2 - Warum es mir etwas bedeutet, diese Geschichte zu erzählen
Start: [[2025-07-26]]
Veröffentlicht: [[2025-07-27]] bis [[2025-07-29]]
Geändert: [[2025-11-05]]
> [!todo]- Anleitung:
> *“Why Do You Care? Now the question is, why have you even gone this far with it? Ask yourself, why does this stick with me? Why do I care about it? The goal is to burrow into what it is about this idea that intrigues you”*
> — Lisa Cron: Story Genius ([Link](https://rauchundkoenig.buchhandlung.de/shop/article/28982701/lisa_cron_story_genius.html))
> [!tldr]- **Zusammenfassung:** Warum es mir etwas bedeutet, diese Geschichte zu erzählen
> 1. Mich zieht es in eine Fantasiewelt, weil nur durch diesen radikalen Schritt Ich eine Chance habe zu erzählen, wie unerträglich die Realität für Peter geworden ist - und damit die Inspiration aus meinen dunklsten Zeiten einzubauen.
> 2. Ich freue mich, offensiv und ohne die Beschränkungen der Realität von AuDHD Joy und Sehnsüchten zu erzählen und einen Schutzraum zu erschaffen, in dem mein Protagonist ohne jede Scham endlich er selbst sein darf.
> 3. Peters Traumwelt wird dennoch zum Albtraum - und das ist mir aus zwei Gründen wichtig. Einerseits, weil AuDHD im Kern innere Zerrissenheit bedeutet, die nicht einfach weggeht, nur weil man sie verstanden hat. Und zweitens, weil wir alle in uns die Denklogik der uns unterdrückenden gesellschaftlichen Systeme tragen. Es reicht nicht, sich selbst zu akzeptieren - wir müssen auch akzeptieren, dass die Welt ist, wie sie ist. Ein glückliches Leben ist möglich - aber nicht, indem wir unsere eigene Zerrissenheit oder die der Welt ignorieren.
> 4. Doch mein wichtigstes Warum ist - ich will alle falsche Hoffnung auf Pseudolösungen eliminieren und Peter eine Chance geben, mit radikaler Ehrlichkeit sowohl sich selbst als auch der Welt gegenüber einen Weg aus dem Dilemma zu finden.
> 5. Darüber hinaus berührt es mich, eine Geschichte zu erzählen, in der Bücher, Geschichten und die darin vorkommenden inneren Welten und Figuren wie ein sicherer Hafen erscheinen, wie der natürliche Ort, an den man flieht, wenn man im Leben an Grenzen gerät
> [!warning] Orange: Leichte Spoiler
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> *I don’t want praise, I don’t want pity.*
*I bang my own drum,*
*Some think it’s noise, I think it’s pretty.*
*And so what, if I love each feather and each spangle,*
*Why not try to see things from a different angle?*
*Your life is a sham ‘til you can shout out*
*I am what I am!*
> — Jerry Herman: “I am what I am” aus “La Cage Aux Folles” ([Link](https://youtu.be/vuqMUO7qno0?si=lnlSrnfaWdg0w73h))
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Diese Frage ist für mich die schwerste. Nicht, weil ich keine Antwort hätte. Sondern weil ich überquelle.
Im Grunde genommen ist die Antwort: **Weil diese Geschichte alles berührt, was mir jemals etwas bedeutet hat.**
Aber das ist natürlich zu globalgalaktisch, deshalb beginnen wir scheibchenweise.
**Frage 1:** *Warum will ich Peter in eine fantastische Welt schicken, oder spezifischer - warum will ich, dass er nach [[Nadlee'han💭]][^1] flieht?*
Fantastische Welten im Allgemeinen und [[Phantásien]] im Besonderen haben mich schon immer fasziniert. Das hat viele Gründe, aber ich glaube in meiner Geschichte berührt mich besonders die Idee der **Weltflucht**. **Peter läuft vor etwas davon, das ihm unerträglich wird: der realen Welt, wie er sie kennt.**
Weltflucht wird oft poetisch abstrakt verstanden - doch ich möchte ein existentialles Bedürfnis nach Weltflucht zeigen. Ich glaube nicht, dass viele Menschen nachvollziehen können, wie unglaublich anstrengend das ganz normale Leben für AuDHDer ist. Und das ist etwas, wovon ich erzählen möchte - so, dass man es glaubt und versteht.
Peter wird bereit sein, sein gesamtes bisheriges Leben inklusive der einzigen menschlichen Beziehung, die ihm wirklich etwas bedeutet - zu seinem [[John Pek|Ehemann John]] - aufgeben, nur für die vage Hoffnung, in der Fantasiewelt seiner Kindheit endlich er selbst sein zu können ohne diesen ständigen Kampf. Dieses Opfer wird später noch größer, als er sich entscheiden muss, das Band zur Realität komplett zu durchtrennen - und damit jede Möglichkeit, zurück zu kehren.
Ich glaube, mir ist es wichtig, über diese Weltflucht einen Eindruck zu geben, was es wirklich bedeutet, “hochfunktional neurodivergent” zu sein, ohne zu viel zu jammern. **Denn manchmal verzweifelt man an der Realität - so sehr, dass man bereit ist, alles aufzugeben, um in eine andere Welt zu fliehen.**
Für mich persönlich ist das eine Möglichkeit, von einigen der dunkelsten Momente meines Lebens zu inspiriert zu erzählen und einige wenige bekannte, aber sehr existenzielle Aspekte von Neurodivergenz greifbar zu machen, u.a. [Autistic Mate Crime](https://youtu.be/9Gpz_DfMiDM?si=_aZNIQ0P-U3WwNbF), [Inactivity Disphoria und Depression](https://www.adxs.org/en/page/167/depression-and-dysphoria-in-adhd) und [autistischen Burnout](https://embrace-autism.com/autistic-burnout/).
Und warum [[Nadlee'han💭]]? Weil Peter es verdient hat, wenigstens einmal im Leben eine Welt zu erleben, die nur aus seinen Wünschen, Sehnsüchten und Träumen erwächst.
**Frage 2:** *Warum fasziniert mich die Idee so, Peter zunächst nicht in einen offensichtlichen Konflikt, sondern eine Art persönlich individualisiertes Paradies zu schicken?*
Wer würde nicht gerne über eine Welt schreiben, die einzig und alleine aus den eigenen Wünschen, Träumen und Sehnsüchten aufgebaut ist?
Das besondere an [[Nadlee'han💭]] wird sein, dass es - im Gegensatz zu vielen literarischen Vorbildern wie Phantásien, Narnia, oder Nimmerland - keine kindliche Welt ist. Peter ist erwachsen - und so ist auch seine Traumwelt erwachsen. Es gibt natürlich dennoch verwunschene Wälder, Elfen und atemberaubende Ausblicke auf den Mond. Aber es gibt auch Lederkerle und Sex, Reichtum und Macht, tiefe , intime Freundschaft und Liebe, exquisiten Luxus, gefügige Gespielen. Es gibt Ruheorte und Orte der Weisheit, Bordelle und Shows, Ruhm und Applaus…
Warum ist mir das wichtig? Ich glaube das hat zwei Gründe: Zum einen, weil ich fest an die empowernde Wirkung von Schutzräumen glaube, zum Anderen, weil ich im Schreiben meine eigene Scham überwinden möchte, meine innere Welt zu zeigen.
Queere Menschen, neurodivergente Menschen, und alle anderen, die anders sind und vulnerabel in einer konformistischen und anspruchsvollen Gesellschaft, brauchen Schutzräume. Räume, wo sie sich und ihre Bedürfnisse nicht erklären müssen. Räume, in denen sie entspannen können vom permanenten Druck, das eigene Leben für andere so darzustellen, dass weder für sie selbst Gefahr noch für andere Belastung droht.
Da Peter nur sehr wenig über sein eigenes “Anderssein” weiß - er hält sich ja einfach für einen ganz normalen schwulen Mann - kann er sich diese Schutzräume in der Realität nicht suchen. Er hat keine Sprache, um auszudrücken, was er braucht.
In [[Nadlee'han💭]] wird ihm das abgenommen. Die Welt versteht ihm besser als er sich selbst und umgibt ihn mit allem, was er braucht sucht. Er taumelt von einer beglückenden Erfahrung zur nächsten - und entspannt immer mehr, je mehr er realisiert, dass er sich hier weder erklären noch verstellen noch schützen muss. Er geht einfach seinen Weg der Wünsche und wandert staunend durch eine Welt, die nur für ihn existiert.
Was mich daran besonders berührt ist die Möglichkeit, von Erfüllung, Glück und Freude zu berichten. Neurodivergenz wird so häufig nicht nur von außen, sondern zudem defizitorientiert und/oder pathologisch beschrieben. Dabei ist Neurodivergenz einfach eine Art zu sein. Ähnlich wie in “[[Stories of autistic joy|Stories Of Autistic Joy]]” ([Link](https://rauchundkoenig.buchhandlung.de/shop/article/50461787/laura_kate_dale_stories_of_autistic_joy.html)) freue ich mich auf die Möglichkeit, zu zeigen, wie erfüllend, intensiv und beglückend das Leben als AuDHD sein kann.
Gleichzeitig wird die Aufgabe gewaltig, meine diesbezügliche Scham zu überwinden. Ich bin es so gewohnt, für meine Bedürfnisse und Sehnsüchte belächelt, kritisiert, für verrückt erklärt oder angegriffen zu werden, dass mir bei der Vorstellung, all das öffentlich aufzuschreiben fast schlecht wird.
Und auch das ist ein Warum. Es ist wichtig, diese vielen Schichten aus Scham und internalisierten \*ismen zu überwinden. Es immer wieder zu versuchen, dennoch das zu suchen, was meine ganz persönliche Variante von unbändiger Freude ist.
**Frage 3:** *Warum möchte ich, dass diese Welt sich gegen Peter wendet und zum Albtraum wird?*
Ohne Konflikt keine Geschichte. Natürlich muss etwas passieren, denn niemand will Peter 800 Seiten dabei beobachten, welche Träume und Sehnsüchte er sonst noch so hat.
Aber wie kriegt man einen Konflikt ins vermeintliche Paradies?
Meine ursprüngliche Lösung war, dass Peter permanent den Wunsch hat, die Welt zu retten. Aber je tiefer ich diesen Charakter verstand, desto mehr merkte ich, dass ich ihm damit unrecht tue. Von außen betrachtet könnte man durchaus denken, dass seine Kombination aus Intensität, Hilfsbereitschaft, Intelligenz und Aktionismus in einer Art “Guru-Komplex” begründet sind. Aber von innen betrachtet stimmt das nicht - wie so oft bei neurodivergenten Personen. Die Intensität ist einfach die Art, wie er denkt, seine Hilfsbereitschaft ist genuin liebevoll wenn auch vielleicht etwas naiv, seine Intelligenz setzt er mit Demut ein, und sein vermeintlicher Aktionismus ist schlicht im ADHS fundierte Impulsivität. Peter rettet zwar gerne mal Welten, aber nicht, weil ihn das besonders antreiben würde.
Nein, es musste eine tiefere Ursache geben, warum er in seiner Traumwelt scheitert. Eine, die essentiell mit der Konstruktion der Welt zusammenhängt. Und, da sie ja seine Innenwelt repräsentiert, mit seinen eigenen inneren Widersprüchen.
Wer sich schon einmal mit AuDHD beschäftigt hat, kennt die Antwort: Innere Zerrissenheit zwischen extrem unterschiedlichen, oft schlicht unvereinbaren Bedürfnissen ist der Kern von AuDHD. Autismus und ADHS sind in einem permanenten Kampf gegeneinander: Autismus liebt Ordnung, ADHS schafft Chaos. Autismus braucht Stille und Fokus, ADHS will Spaß und Abenteuer. Autismus bedeutet Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Menschen, ADHS ist charmant, gewinnend und immer bereit für die nächste Beziehung.
Es ist mir wichtig, dass [[Nadlee'han💭]] letztlich von inneren Widersprüchen bedroht wird, um zu zeigen, wie brutal und existenziell dieser ständige Kampf im Leben von uns AuDHDern ist. Der wilde Ritt zwischen Langweile und Burnout, der uns aufreibt und in die Hände von Depression, Alkohol, Sex und anderen Arten der Betäubung führt, wenn wir nicht lernen, diese Dynamik zu meistern.
Aber - mir ist noch etwas anderes wichtig. Ich möchte Peter nicht in eine banale “ich bin an allem selbst schuld”-Erkenntnis führen. Denn das ist er nicht. Die aufreibende Dynamik zwischen den beiden Polen gehört nämlich nicht zu den Dingen, die aufhören, wenn man sie verstanden hat. Es macht mich richtig wütend, wenn ich daran denke, wie oft ich in meinem Leben gehört habe, ich müsste mich einfach mäßigen, dann würde alles gut. Wird es nicht. Denn es gibt da immer die andere Seite, die nicht befriedigt auf die Barrikade geht und jede Lösung, die nur ein Bedürfnis befriedigt, über kurz oder lang zu Kleinholz verarbeitet.
Und deshalb möchte ich, dass neben der AuDHD Eigendynamik ein zweiter Faktor Peters Welt bedroht: Der Blick vom außen. Es muss - und wird - Wesen geben in dieser Fantasiewelt, die angreifen. Die Ksall’i.[^2]
Der Grund, weshalb es mir wichtig ist, diese neurotyoische und ganz und gar unqueere Spezies einzuführen ist: Wir alle internalisieren die Unterdrückungssysteme, in denen wir leben. Egal ob wir selbst zu den Unterdrückern oder den Unterrückten gehören. Schwule Männer und lesbische Frauen tragen internalisierte Homophobie mit sich herum. Frauen internalisierte Mysogenie. Anhängige eines ausbeuterischen Wirtschaftssystems internalisierten Kapitalismus. Und neurodivergente Menschen internalisierten Ableismus.
Und deshalb sind die “Anderen” Teil von Peters innerer Welt.
Und deshalb hat er gleich zwei große Probleme: Die anderen - und deren Angriffe, Abwertung, Ignoranz und Menschenfeindlichkeit. Und sich selbst in seiner inneren Zerrissenheit. Genügend Stoff für eine Traumwelt, die zum Albtraum wird. Willkommen in meiner Welt.
Im Falle von Peter (und mir) heißen diese beiden Fronten Selbst-Gaslighting und Maskierung.
**Frage 4:** *Aber wenn das alles so schrecklich ist - warum möchte ich es erzählen? Wo ist die Story, die Möglichkeit zur Transformation?*
Ich glaube, dass es einen Weg gibt aus diesem Zweifrontenkrieg: Radikale Ehrlichkeit.
Jede Lösung, die auf der Annahme beruht, man selbst sei doch nicht so wie man sei und man könnte den inneren Kampf des AuDHD irgendwie befrieden, ist zum Scheitern verurteilt.
Jede Lösung, die auf der Annahme beruht, zumindest die Welt sei doch nicht so krass wie sie ist, ebenfalls.
Nur wenn Peter es schafft, wirklich zu sagen “I am what I am” - und zwar im Wissen um eine fremde und in Teilen schlechte Welt - hat er eine Chance, einen anderen Weg zu finden, der [[Nadlee'han💭]] vor dem Untergang bewahrt und sein eigenes Leben wieder lebenswert macht.
## Überarbeitung [[2025-11-05]]: Rolle von Büchern, Geschichten, und der unendlichen Geschichte
**Frage 5**: *Was bedeutet es mir, die Geschichte als Geschichte über Bücher, Geschichten, und die unendliche Geschichte zu erzählen?*
Seit meiner Kindheit waren Bücher und Geschichten ein Zufluchtsort, eine alternative Realität, aber auch ein Raum, in dem ich gefahrlos lernen und ins innere von anderen Menschen schauen konnte. Aber ich glaube, das wichtigste ist - dort hatte ich Freunde.
In der Realität waren soziale Beziehungen immer schwierig und anstrengend und verwirrend. Selbst da, wo es schön war und funktionierte brachen die Beziehungen plötzlich ab - und da waren so viele verwirrende Gefühle und Reaktionen und ..
In Büchern war das anders, alles war wohl geordnet, und begreifbar, und ich war mir immer, immer sicher, dass die Figuren, insbesondere die Hauptfiguren, meine Freund:innen sein würden.
Und ich denke, es gab einen Grund, warum ich besonders angezogen war von Portal-Fantasie - denn dieses Genre spiegelt genau diesen Ausweg aus der Realität wieder.
- Bastian entkommt nach Phantaasien - und er findet dort Atreju, er wird stark, schön, mächtig, und wird geliebt und gehalten
- Krümel findet Liebe mit und bei seinem Bruder, und sie reisen gemeinsam durch die Liebe und die Trauer und erleben Abenteuer
- Die Kinder im Weißen Wolf finden sich als Schicksalsgemeinschaft
Mich hat die Intimität, Tiefe, und Selbstverständlichkeit von Emotion und Beziehung in Büchern früh angezogen. Natürlich war es auch lehrreich, über den Entwicklungsweg besonderer Menschen zu lesen - und viele der Helden in meinen Jugenbüchern hatten magische Kräfte oder irgendwelche Besonderheiten. Aber im Kern fühlte ich mich dort mehr zu Hause, mehr verstanden, mehr aufgehoben als in der seltsamen Realität.
Und deswegen ist es mir wichtig, eine Geschichte zu erzählen, in der im Moment größter Not nicht andere Menschen oder System der Rettungsanker sind, sondern Bücher. Deswegen sucht [[Peter Pankratius Pek - Old Version|Peter]] Rat und Trost und Verbindung in Büchern. Und deshalb ergreift er so bereitswillig die Chance, nach [[Nadlee'han💭]] zu gehen, auch, wenn er dafür Abschied nehmen muss von seinem realen Leben und seiner realen Liebe.
## Bereit für [[Schritt 3 - Was ich mit dieser Geschichte sagen will]]?
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1. **Der Riss der Welt** - Anders sein und die brutale Reaktion der anderen - erstmal flieht er vor den anderen in ein Paradies
2. **Träume** sind wichtig. - er erlebt einen empowernden und spannenden Schutzraum
1. Weltflucht und Schutzraum,
2. Scham und Sehnsucht nach Heilung
3. **Gaslighting und Maskierung** - auch vor sich selbst (Konformitätsdruck ist real) - die Ksall'i greifen an und Peter pusht sich zur Rettung
4. **Man nimmt sich selber immer mit** - Peter selbst zerstört seine Traumwelt - die ihn beschützende Insel wird bedrohlich eng, da die ihn als Störung empfindet
5. **I am what I am**: Sich selbst akzeptieren und mit Würde begegnen - er entscheidet sich für ein Leben und findet heraus was Realität ist
6. **Walk a mile in my shoes -** Empathie und ein bisschen Anklage - in der Entspannung nach dem Scheitern beginnt er zu erzählen und entdeckt die verbindende Kraft der Empathie
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Erstmal dachte ich - was für eine Frage? Wie um alles in der Welt soll denn ein **Moment, der alles,** was ich über mich und mein Leben gedacht hatte **auf den Kopf stellt** nicht bedeutsam sein?
Dann wurde mir klar, dass das aus drei Gründen doch eine gute Frage ist.
1. Es geht ja nicht darum, warum dieser Moment für mich so bedeutsam war, sondern weshalb es mir so wichtig ist, dieses Buch zu schreiben. Was bedeutet es mir, diese Geschichte zu erzählen?
2. **Neurodivergenz im Allgemeinen und Autismus sind ja dadurch gekennzeichnet, dass andere Menschen eben gerade ==nicht nachvollziehen==** können, was in meinem Gehirn vorgeht, insbesondere nicht Motive und Gründe. Deshalb ist es vielleicht für mich sonnenklar, aber nicht unbedingt für meine Leser:innen.
3. Der große Plot-Twist hat vor nicht all zu langer Zeit mein Leben völlig durcheinander gewirbelt. Wahrscheinlich tut es der Kunst gut, wenn ich mir über mein spezifisches Warum klar werde. Und es hilft, trotz des sehr persönlichen Hintergrunds **keine Betroffenheitsliteratur** zu schreiben.
Also dann Mal los. Was bedeutet es mir, diese Geschichte zu schreiben?
Ich glaube, da draußen sind viele, denen es geht wie mir bis vor einem guten Jahr: Die **sich** und ihre Herausforderungen im Umgang mit der Welt **nicht verstehen,** versuchen sich die **Wahrheit zurechtzubiegen,** und die von ihrem Umfeld darin auch ständig bestärkt und bestätigt werden. "So geht es uns allen", "Jeder hat mal einen schlechten Tag",… **Wir kriegen so lange Botschaften, wir wären wie die meisten Menschen, bis wir es zum Schluss selbst glauben.** ==Das Gaslighting hat funktioniert. ==
Und deshalb ist es mir wichtig, meinen Leser:innen die Möglichkeit zu geben, diese ==**Erfahrung nachzuvollziehen.** ==Entweder, um für sich zu entdecken: "**Hey, das ist bei mir ==ähnlich==" - oder um zumindest ==Verständnis und Empathie== für uns spät erkannte Neurodivergente zu entwickeln.**
Außerdem hat mich das Thema Authentizität und Selbstverwirklichung schon immer interessiert. Immerhin bin ich Coach für Persönlichkeitsentwicklung geworden. Und ich merke in meinem Beruf jeden Tag, wie gut es Menschen tut, sich klar zu werden: **Wer bin ich? Und dann zu akzeptieren, was auch immer sie entdecken (denn das ist nie nur toll), und zu beginnen zu ==sich selbst liebevoller und würdevoller== zu sein.**
Ich denke auch, dass die Welt Geschichten braucht von **seltsamen, aber großartigen ==Menschen, die Anders sind== - und sich nicht dafür ==schämen==.**
OK, ich merke, ich rede ziemlich um den heißen Brei herum. Das ist irgendwas wofür ich mich **schäme**. Was will ich nicht zeigen?
Der Kern der Idee sind **Weltflucht**, **Sehnsucht nach Heilung** - und **Scham**.
Und ich glaube, ich habe deshalb so viel Scham um diese Themen herum, weil ich da auch real verletzlich bin. Und deshalb ist ein weiteres Thema Schutz.
==Weltflucht==
==Sehnsucht nach Heilung==
==Scham==
==Schutz==
==Und Aggression, Ableismus, oft verpackt in nicht sehen wollen.==
All das ist mir wichtig, weil ich es erlebt habe. Und ich brauche die **schützende Distanz** einer fiktionalen und fantastischen Geschichte, um davon erzählen zu können.
Ich glaube ich möchte über jemand schreiben, **der vor der ==Realität== flieht, weil diese tatsächlich oft sehr ==schmerzhaft, brutal und einfach kein zu Hause ist.*==*
**Als Autist, ADHSler, als schwuler, gender non confirming Mann, als FFB in der körperfixierten schwulen Szene, als polyamore Person in einer monogamen und prüden Welt…** Ich könnte die Liste ewig fortsetzen. Was ich sagen will ist: **==Wenn Du== an entscheidenden Stellen ==nicht konform gehst,== werden Menschen ==sehr schnell sehr ungemütlich.==** Subtil - durch **Desinteresse, Relativierung Deiner Erfahrung, Pathologisierung und vermeintlich wohlmeinende Hilfsangebote.** Oder auch offen - durch **Ablehnung, bewusste verbale Verletzung, Ignoranz selbst grundlegender Bedürfnisse.**
Und ich glaube das ist der Grund weshalb so viele [[queer - Identität|queere]], [[Neurodivergence|neurodivergente]] Personen **fantastische Welten** lieben - als **==Schutzraum==, Traumwelt, ==Möglichkeit zum Selbstausdruck== unabhängig von und ==außerhalb== der binären und konformistischen Diskurse und Realitäten.**
Das ist der Grund, warum ich Geschichten im Allgemeinen und fantastische Welten im besonderen so liebe und brauche. [[[[Musical]] - Genre|Musical]], Glamour, Pop, [[La Graciosa - Insel|La Graciosa]], überhaupt **==Inseln==**.
Jetzt wird es in meiner Geschichte so sein, dass diese wunderbare, auf den eigenen Sehnsüchten und Träumen beruhende Welt **sich gegen Peter wendet und zur ==existenziellen Bedrohung== wird**. Und zwar nicht, wie so oft in Jugendbüchern, durch eine der fantastischen Welt inhärente Gefahr, **sondern etwas, das durch Peter in diese Welt kommt: ==Durch seine Ankunft kippt das fragile Gleichgewicht== zwischen den [[Nadlee'i]] und den [[Ksall'i]], und ein schrecklicher Krieg bricht aus**. [[Peter tut etwas sehr subtiles, was aber die entscheidende Ursache ist für den Krieg - Szenenidee|Peter tut etwas sehr subtiles, was aber die entscheidende Ursache ist für den Krieg]]. Und so wendet sich diese Welt der Sehnsüchte gegen ihn, bis er die zerstören muss - oder sterben.
Warum?
Ich glaube was mich daran berührt ist der Gedanke, dass **Traumwelten existenziell** sind. **==Träume== sind wertvoll, wichtig und eine Frage des Überlebens. Sie ==sind tief empfundener Selbstausdruck.==**
Ich möchte eine Geschichte schreiben, die es erlaubt, in Peters **einzigartige innere Welt einzutauchen und zu ==erleben wie es ist, er zu sein==.** Und weil dafür das beste Mittel eine gute Geschichte ist, geht es am Ende auch über die **Macht von Geschichten.**
Und weil man **sich selbst immer mitnimmt,** geht es darum, dass die **eigene Zerrissenheit nicht aufhört, nur weil man träumt.** **==Du kannst vor deinem Sein nicht davon laufen==.**
Und weil es **dennoch ==reale und verantwortliche Andere== gibt, die ignorieren, verletzen, Hilfe verweigern, manchmal sogar vernichten, geht es auch darum, die ==Empathie der anderen anzusprechen==.** Zu zeigen, einfach nur gesehen zu werden wie man selbst ist und wie schwer es ist, was für ein unglaublicher Kampf, in einer Welt zu bestehen, die für so jemand einfach echt nicht gemacht ist und auch wenig Verständnis hat.
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![[Links & License#^c7e67d]]
[[A 2. Bedeutung für mich.pdf]]
[^1]: [[Nadlee'han💭]] ist der Teil von [[Phantásien]], in dem Peter landet, nachdem er entschieden hat, es [[Bastian Baltasar Bux]] aus “[[Die unendliche Geschichte]]” gleich zu tun und der kindlichen Kaiserin einen neuen Namen gibt.
[^2]: Die Ksall’i sind Bewohner des Kontinent [[Ksall'han]], vor dessen Küste [[Nadlee'han💭]] liegt. Und wenn [[Nadlee'han💭]] das queere und neurodivergente Innere von Peter spiegelt, so ist [[Ksall'han]] das Gegenstück: die neurotyoische, heteronormative Außenwelt