#dasbuchdasdieweltgesundmacht #storygenius #blueprint #neustart > [!quote]- Publication Status > **Version:** 1.0 | **Status:** Entwurf > **First published:** [[2025-11-06]] | **Last updated:** [[2025-11-06]] # Zurück ans Reißbrett *By [Florian Prittwitz-Schlögl](https://www.linkedin.com/in/prittwitzschloegl) · Licensed under [CC BY-SA 4.0](https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/).* ## Was ist los? Ich stecke fest. Schon seit einigen Wochen. Ich merke, dass ich beim Versuch, die Backstory zu schreiben, immer und immer wieder zurückgehe. Unsicher bin. Mich mit ChatGPT bespreche, versuche, eine Bestätigung von außen zu bekommen. Ich glaube, die Ursache des Problems: [[Peter Pankratius Pek - Old Version|Peter]] ist mir zu ähnlich. Es fühlt sich nicht an, als würde ich eine Figur entwerfen, sondern als würde ich mein eigenes Leben sortieren. Und damit ist alles irgendwie falsch oder halb falsch oder es ist sogar richtig, aber dann zu intim, um es aufzuschreiben. Was ich ja eigentlich will ist, einen Roman zu schreiben. Dieser darf zwar autofiktional sein, also inspiriert von meinem eigene Leben, aber es soll ein Roman sein, keine Autobiographie. Ich glaube, um da hin zu kommen, muss ich ein paar Dinge grundlegend ändern. Äußerlich - im Setup, in der Biographie. Und innerlich - in der Psychologie. Ich muss mir erlauben, eine Figur zu erschaffen, die nicht in Ordnung ist, die unsympathisch ist. Wie möchte ich vorgehen? Ich denke, ich werde - in einer sehr kurzen Version - ALLE Schritte des “Blueprint” nochmal durchgehen - aber diesmal fokussiert auf mein Ziel, **eine Figur zu schaffen, die von mir eindeutig unabhängig** ist. Dafür muss ich mir erlauben, alles zu vergessen, was ich über die Story und über Peter zu wissen glaube. ------ ![[Roman Story Entwickeln - Mix Save The Cat und Story Genius#Der Grundgedanke - Stell Dir vor...]] ### Was war meine künstlerische Kernidee, als der Gedanke zum Roman entstand? > [!important] Die Idee > Ich schreibe einen Roman über einen Menschen, der sehr spät im Leben erfährt, dass er (unsichtbar) behindert ist. Dass er WIRKLICH anders ist als alle anderen. > [!quote]- Gedankengang > Zunächstmal gucke ich zurück, was ich dazu schon geschrieben habe: [[Schritt 1 - Der Moment, als die Idee geboren wurde]]. “Ich wollte das Buch schreiben, das mein früheres Ich hätte lesen müssen, um früher zu verstehen.” > > Schriftstellerisch ist das emotional stark, aber nicht spezifisch. Was genau will ich, das mein früheres Ich versteht? Und - was möchte ich als Schriftsteller, dass meine Leser:innen fühlen und begreifen? > > Ich glaube, im Kern geht es mir um einen Moment des loslassens von einem inneren Druck, ein sich fallenlassen in eine Wahrheit. > > Was genau ist der Unterschied, den die AuDHD Erkenntnis macht? Natürlich gibt es viele praktische Konsequenzen, aber ich glaube im Kern ist die Transformation der Frage, was es bedeutet, Verantwortung für das eigene Glück zu übernehmen - von der Korrektur individueller Fehler (im medizinischen Denkmodell “Persönlichkeitsstörung”) zur Anpassung von Rahmenbedingungen, um Barrieren abzubauen (im sozialen Denkmodell “Behinderung”) > > Interessanterweise ist das Wort “Behinderung” genau das, was ich an diesem allerersten Tag im Kopf hatte. Das spricht dafür, dass es um diese Kernerkenntnis geht: **“Ich bin behindert”** - und um all den Scham, all die Angriffe und Rechtfertigungen, all den gesellschaftlichen Druck, der damit einhergeht. ### Warum ist es mir wichtig, einen Roman über unsichtbare und spät erkannte Behinderung zu schreiben? > [!important] Der Grund > … weil internalisierter Abelismus zerstört. Weil dieser permanente Druck, “normal” zu sein, den Blick auf die eigene Identität verzerrt, so sehr, dass man sich selbst fremd wird. > [!quote]- Gedankengang > Auch hier zunächst ein Blick zurück: [[Schritt 2 - Warum es mir etwas bedeutet, diese Geschichte zu erzählen]]. > > Dieser Blick zurück ist ehrlich gesagt ziemlich wirr. Irgendwo zwischen “Blöde Frage - It’s My Life” und sehr viel einzelnen Gedanken und Gefühlen. Und er ist sehr, sehr persönlich. Ich möchte mir die Frage nochmal eher künstlerisch stellen: > > Ich möchte über das Thema unsichtbare Behinderung aus zwei Gründen schreiben. > 1. Weil unsere gesamte Gesellschaft durchzogen ist von einem unglaublichen Leistungsdruck. Der Wert eines menschlichen Lebens wird an seinem Nutzen gemessen, an seiner Fähigkeit, zu funktionieren. Und das ist falsch. Ich glaube, dass unsere Gesellschaft besser wäre, wenn wir Menschen als das sehen würden, was sie sind: Würdige Subjekte, die sowohl nehmen als auch geben. Und die etwas wert sind, unabhängig davon, ob sie funktionieren. Ich glaube, dass dieses abelistische Denkmodell dazu führt, dass wir keine Gemeinschaft sind, sondern letztlich eine große Produktionsmaschine. > 2. Weil ich viele Menschen sehe, die diesen Abelismus internalisieren - und daran zerbrechen. Und weil ich weiß, wie stärkend und kraftvoll ein ehrlicher, liebevoller Blick auf sich selbst ist. ### Was will ich mit der Geschichte aussagen? > [!important] Meine Aussage > Du bist wirklich anders als alle anderen. Der Wert Deines Lebens bemisst sich nicht daran, wie viel Du leistest oder wie gut Du rein passt. > Wohl aber bemisst sich der Wert einer Gemeinschaft daran, wie fähig sie ist, jeder einzelnen Person ein würdiges und sicheres Leben zu ermöglichen. > [!quote]- Gedankengang > Zunächst wieder der Blick zurück: [[Schritt 3 - Was ich mit dieser Geschichte sagen will]] > > Ich glaube, dieses “Du kannst vor Dir selbst nicht fliehen” trifft es schon ganz gut. Allerdings fehlt die Gesellschaft - und es fehlt das spezifische Thema internalisierter Abelismus. > > Wenn ich versuche, das spezifischer auszudrücken, dann wäre es so etwas wie: Der Wert eines Lebens bemisst sich nicht an seiner Leistungsfähigkeit für die Gesellschaft. Es ist umgekehrt: Der Wert einer Gesellschaft bemisst sich an der Leistungsfähigkeit für das Glück jedes Einzelnen. > > Das ist glaube ich echt gut. Vielleicht kann ich das noch schärfer fassen: > Der Wert Deines Lebens bemisst sich nicht an Deiner Leistungsfähigkeit für die Gesellschaft. Wohl aber bemisst sich der Wert einer Gemeinschaft daran, wie fähig sie ist, jeder einzelnen Person ein würdiges und sicheres Leben zu ermöglichen. ### Stell Dir vor.. > [!important] Stell Dir vor… > Stell Dir vor, ein Mensch, der seit seiner Kindheit vergeblich lang versucht hat, ein ganz normales Leben zu führen, erhält die Gelegenheit, sich sein eigenes Fantasiereich zu erschaffen - und erst als auch dieses Leben wieder zerbricht kann er akzeptieren, dass er wirklich anders ist als alle anderen und beginnen, SEIN Leben zu führen. > [!quote]- Gedankengang > Schauen wir wieder zurück, was es schon gibt > - [[Schritt 4 Versuch 1 - Schicht für Schicht zur Kernidee der Handlung (''What if...'')]] > - [[Schritt 4 Versuch 2 - Schicht für Schicht zur Kernidee der Handlung (''What if...'')]] > - [[Schritt 4 Versuch 3 - Schicht für Schicht zur Kernidee der Handlung (''What if...'')]] > - [[Schritt 4 Versuch 3b Synopse - Schicht für Schicht zur Kernidee der Handlung (''What if...'')]] > > Das ist ehrlich gesagt ein wenig “schief” - denn es ist sehr persönlich, auf das Maskieren, abgestellt. Aber mir geht es ja mehr um die Leistungsfähigkeit. > > Stell Dir vor, ein Mensch, der sein ganzes Leben versucht hat, sich durch Leistung einen Platz in der Gemeinschaft zu erkämpfen, erhält die Gelegenheit, eine ganze Welt zu retten - und muss, als das scheitert, erkennen, dass sein Wert, seine Würde und sein Platz in der Gemeinschaft gar nicht davon abhängen, was er für sie tun kann. > > Aber ich bin immer noch nicht happy. Ich glaube, ich möchte im Kern das Thema Einsamkeit, Anders sein. Leistung ist nur ein Teil dessen. > Und das heißt, es geht nicht darum, einen Platz in der Gemeinschaft zu finden, sondern einfach nur darum, ein ganz normales Leben zu führen --- ![[Roman Story Entwickeln - Mix Save The Cat und Story Genius#Die Hauptfigur]] > [!important] Hauptfigur zu Beginn > Peter ist 38 Jahre und mal wieder der Flucht. Er hat das Gefühl, an allen Ecken und Enden versagt zu haben: Beruflich - die Firma, in die er eingestiegen war, ist kurz vor dem Bankrott. Und Privat - sein Ehemann kommt von einer langen Reise zurück und die Wohnung ist ein einziges Chaos, nichts ist erledigt. Und Peter tut, was er immer tut, wenn es nicht mehr geht - er flieht. > [!quote]- Gedankengang > Natürlich bleibt Peter meine Hauptfigur. Schauen wir uns an, was ich bislang über ihn geschrieben hatte: [[Schritt 1 - Skizze Hauptfigur zu Beginn der Geschichte]]. > > Alles, was da steht, stimmt noch - aber ist es der Kern? > > Ich möchte, dass Peter lernen muss, dass es nicht möglich ist, sich durch Leistung seinen Platz in der Gemeinschaft zu erkämpfen. Das heißt, er muss an einem Punkt stehen, wo das mal wieder nicht geklappt hat. Wir müssen sehen, dass er leistungsfähig ist - aber auch, dass er aus den falschen Gründen zu viel leistet. Ich denke, dass der Burn-Out genau der richtige Moment ist. Vielleicht ist es aber gut, die “Xavier” Geschichte abzuschwächen - sonst wird das alles über den Bösen und über Verführung erzählt und Missbrauch. > > Was wäre denn damit: > Zu Beginn treffen wir einen Menschen, Peter, der einfach nicht mehr kann. Ein Workoholic im Burnout. Wir wissen, dass er alles versucht, um zu retten, zu leisten, zu stabilisieren und zu erklären. Und wir wissen, dass es mal wieder gescheitert ist - weil er, aus seiner starken Leistungsmotivation heraus, die Zeichen nicht gesehen und die Konsequenzen nicht ernst genommen hat. Xavier ist in diesem Tableau nur eine von vielen Aspekten, er rückt in den Hintergrund. > > Peter ist 38 Jahre und mitten im Burn-Out. Er hat das Gefühl, an allen Ecken und Enden versagt zu haben: Beruflich - die Firma, in die er eingestiegen war, ist kurz vor dem Bankrott. Und Privat - sein Ehemann kommt von einer langen Reise zurück und die Wohnung ist ein einziges Chaos, nichts ist erledigt. Und Peter tut, was er immer tut, wenn es nicht mehr geht - er flieht. --- ![[Roman Story Entwickeln - Mix Save The Cat und Story Genius#Sehnsucht und Irrglaube]] --- > [!important] “Want” > Peter will **Heilung**. Er will ein ganz normales, einfaches Leben führen, und anderen helfen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. > [!quote]- Gedankengang > Peter will einen Platz finden, wo er normal ist. Er versteht nicht, warum alles immer zusammenbricht. Darin stecken zwei mögliche Ziele - er könnte ein anderes, besseres Leben suchen. Oder er könnte die Wahrheit suchen. > > Irgendwie interessiert mich die Suche nach Wahrheit mehr. Dass er glaubt, wenn er wüsste warum, dann könnte er das Problem lösen. > > Wenn ich die Augen schließe, sehe ich ihn tatsächlich lesend, in einem Moment der Erkenntnis. “Das ist es! Das ist die Wahrheit, dass ist der Grund, warum ich nirgends bleiben kann, warum ich von einer Krise zur nächsten taumle und dennoch stark und erfolgreich aussehe. Und das ist der Schlüssel, um endlich gesund zu werden. Mich und die Welt zu heilen.” > > Ich mag dieses Ziel - er sucht eine Antwort auf die Frage: Warum bin ich so, wie Ich bin? > > Das heißt aber, dass er keine Leistungsbiographie haben darf, sondern eine Wahrheitssucher Biographie. > > Eine andere Möglichkeit wäre, dass er einen Ausweg sucht, eine Lösung. Aber es ist auf jeden Fall eine Suche. “Ich weiß nicht wer ist bin”. > > Ach Mann, das ist echt schwer. Menschen haben doch mehr als einen Traum. In seiner Not sucht er natürlich Orientierung, Antworten, eine Lösung. Aber ich glaube, er stellt zwar die Frage “warum?”, aber er stellt sie aus dem falschen Grund, er möchte die Antwort, um etwas zu ändern. > > Und ich glaube, das ist es. Was er sucht ist eine Antwort auf die Frage “warum ist das alles so schwer?”, aber nicht der Antwort wegen, sondern weil er glaubt, das Ist Problem damit lösen zu können. Er sucht nach Heilung. > > Und dann war die erste Idee, das Ressort, nicht völlig falsch. Ich glaube, ich möchte den ganzen Missbrauch nicht. Xavier ist nicht MT. Xavier ist ein moderner Heiler. > > Aber La Graciosa ist dennoch gut. > > Vielleicht ist Xavier so ein Guru. > > Aber zur Frage: Was will Peter? Die Antwort ist: Heilung. > > Er will einfach ein ganz normales Leben führen, einfach und ruhig, im Einklang mit der Welt. > > [!important] Warum? > Warum? Weil er sein ganzes Leben das Gefühl hat, dass etwas nicht stimmt mit der Welt. Und sich. Weil ihn das **quält**, und krank macht, und alles immer wieder scheitern lässt. > [!important] Irrglaube/Denkfehler > Ich darf keine Last sein, nicht anders sein, dich nicht beklagen - sonst bricht alles zusammen. > [!quote]- Gedankengang > Warum bekommt er seine Heilung nicht? Sein normales Leben? Weil er nicht weiß - und nicht akzeptiert -, dass er anders ist, behindert, aber auch einfach autistisch. Ich glaube es geht nicht nur ums behindert sein. Es geht um ein existenzielles anders sein. > > Und warum weiß er das nicht? Ehrlich gesagt ist das nicht seine Schuld, sondern das Gaslighting der Welt. Er hat “Du bist normal” so ist gehört, dass er es glaubt. Nicht nur normal, sondern besonders stark. Besonders begabt. Besonders leistungsfähig. > > Und ich glaube, sein eigener Fehler ist, dass er alles aus dieser Perspektive sieht. Er sucht keine Heilung durch andere, sondern eine Anleitung, es selbst zu machen. Er will sich und die Welt verstehen und optimieren. > > Und deshalb bittet er nicht um Hilfe, sondern um Anerkennung. > > Was wäre denn die Lösung? Er müsste strukturelle Hilfe suchen und seine Geschichte erzählen. Ehrlich. Aber das kann er nicht, er hat keine Worte dafür, und er hat gelernt, dass um Hilfe bitten nicht funktioniert. > > Der zentrale Denkfehler muss etwas etwas zu tun haben mit dieser “ich muss es schaffen” Perspektive. > > Es ist irgendwie eine Variante von “ich muss es schaffen”, “niemand hilft dir, wenn du schwach bist”, irgendwie so etwas. > > Oder “du darfst deine Bedürfnisse und Grenzen nicht zeigen, sonst bist du ein Monster”. > > Vielleicht ist es einfach der Glaube “ich bin ein Monster”, “ich bin besessen” aber in einer modernen Variante. “Ich bin gestört.” > > “Ich habe kein Recht, anders zu sein, weil…” > > “Ich darf keine Last sein, sonst….” > > Vielleicht ist es das. Ich darf keine Last sein. --- # Zusammenfassung bis hier In meinem Roman geht es um die zerstörerische Kraft von internalisiertem Ableismus. Ein Mann, äußerlich erfolgreich, aber innerlich zerbrochen, erhält die Gelegenheit, in eine andere Welt zu fliehen. Doch auch dieser Sehnsuchtsort droht, zur Hölle zu werden, und wieder liegt die Last der Rettung auf seinen Schultern. Doch diesmal versagt er. Und erst in diesem Scheitern erkennt er, dass er behindert ist - und dass nach dem Zusammenbruch die Möglichkeit eines Lebens besteht, in der er eine Last sein darf und ein Segen. Seine Sehnsucht - Heilung und Friede mit der Welt. Sein Irrglaube - ich darf keine Last sein, sonst bricht alles zusammen. ![[Roman Story Entwickeln - Mix Save The Cat und Story Genius#Die Sicht der Welt entsteht]] Vor diesem Hintergrund möchte ich eine komplett andere Biographie entwickeln. Ich möchte, dass Peters Psychologie aus einer komplett neuen Geschichte kommt. Die Frage ist also: Wie lernt man, dass man keine Last sein darf, dass man nicht anders sein darf? # Erkenntnis Oh wow. I have to kill Peter as a hero. This book isn’t about Peter anymore. I will never be free to write as I want as long as this novel has anything to do with my real life. Oh my God. It’s back to zero. I’m shocked. But also relieved. Und deshalb gehen wir zurück zum Anfang. ** ** > [!example] Links > - … ![[Links & License#^c7e67d]] [[0 - Kuschelfreund]] [[C. Der Mythos - Zwischenschritt#backstory]] [[Schritt 2 - Sehnsucht und Irrglaube#misbelief]] [[I - Die Prophezeiung - 7 Zeichen der Kaiuree - drohendes Unheil#13. Kreativität vs. Verlorengehen]]