#dasbuchdasdieweltgesundmacht #schreibkrise #writingmasteryacademy
# Schreibkrise - das Problem
![[2025-11-16 - Schreibkrise.png]]
*By [Florian Prittwitz-Schlögl](https://www.linkedin.com/in/prittwitzschloegl) · Licensed under [CC BY-SA 4.0](https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/).*
> [!example] Navigation
> [[Schritt 1 - Zurück ans Reißbrett|⬅️ zurück]] | [[Welcome 2 My World - deutsch|⬆️ hoch]] | [[04 - Crappy Writer Hat| weiter ➡️]]
> [!quote] Publication Status
> **Version:** 1.0 | **Status:** Polished Draft
> **First published:** [[2025-11-16]] | **Last updated:** [[2025-11-16]]
Ich habe eine [[03 - Schreibkrise|Schreibkrise]]. Und zwar eine richtig krasse. Ich komme einfach nicht weiter mit meinem Romanprojekt. Und da ich jetzt lange genug alleine versucht habe, es zu lösen, habe ich beschlossen, Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Schon seit längerem aboniere ich eine wunderbare Website für Autor:innen, die [Writing Mastery Academy](https://www.writingmastery.com/) von [Jessica Brody](https://www.jessicabrody.com/), der Autorin von [Save the Cat! Writes a Novel](https://rauchundkoenig.buchhandlung.de/shop/article/35324785/jessica_brody_save_the_cat_writes_a_novel.html), einem ganz wunderbaren Plotting-Buch.
Und in dieser Academy gibt es einen Kurs zum Thema ["Writers Block"](https://www.writingmastery.com/products/conquering-writer-s-block), dem ich jetzt folgen werde. In der Tradition des “öffentlichen Lernens” tue ich das hier, öffentlich.
Erste Aufgabe: Ich schreibe einen Brief, in dem ich das Problem beschreibe. Jessica meint, ich könnte diesen Brief an jede Person schreiben, die mir hilfreich erscheint. Aber nachdem ich merkte, dass die Auswahl des perfekten Adressaten zu einer Wissenschaft zu werden drohte, habe ich einfach an Jessica selbst geschrieben. Hier ist mein Brief:
## Mein Brief an Jessica
Liebe Jessica,
ich habe eine dicke, fette, hässliche Schreibblockade.
### 1. Vorgeschichte
Seit einiger Zeit versuche ich, meinen ersten Roman zu schreiben. Der Prozess war ziemlich turbulent:
#### Erste Gehversuche
Erstmal wusste ich nur, dass ich ein Buch schreiben möchte, aber nicht, welches. Es war noch nicht mal klar ob Fiktion oder Sachbuch. Als immer klarer wurde, dass ich einen Roman schreiben möchte, habe ich mich in Anleitungen und Kurse gestürzt, unter anderem Dein “Save the Cat Writes a Novel” und Deine “Writing Mastery Academy”.
Das tut unglaublichen Spaß gemacht: Ich lerne gerne, ich fand die pragmatische, kreative Anleitung unglaublich erfrischend -und ich hatte das Gefühl, endlich diesem verkopften, überernsthaften Gedankenstrudel meines literaturund theaterwissenschaftlichen Studiums zu entkommen.
Vor allem das Thema Plot hat mich begeistert. Handlungen erfinden, Welten so bauen, dass die Hauptfigur gar nicht weiß, wo ihr der Kopf steht - das war toll.
#### WIP 1: Benja und das alte Theater
Parallel entwickelte ich mein erstes Romanprojekt, “Benja und das alte Theater”. Ein Coming-of-Age Roman über einen schüchternen jungen Mann, dessen Traum wahr wird, als ein selbstbewusster und attraktiver Regisseur ihn als Star seiner neuen Produktions auswählt, und der erst, als dieser Traum sich zum Alptraum wandelt, merkt, dass er sich nicht von starken Leitfiguren abhängig machen darf. Diesen Roman habe ich sogar begonnen zu schreiben - ca. ein Drittel ist fertig. Doch dann blieb ich steckenmitten im Fun and Games-Beat. Ich wusste einfach nicht, wie es weiter geht.
Ich hatte damals, das war im Juni 2023, vor über zwei Jahren, schon das Gefühl, dass mein Protagonist zu sehr ist wie ich. Ich war genervt von seinem ständigen gefühligen Problem-Gesülze. Und von all der Psychologie, die damit zusammenhing.
#### WIP 2: Ich. Du. Er
Also fing ich von vorne an. Diesmal mit einem Psycho-Thriller. Ich dachte, wenn ich das Genre ändere, fällt es mir vielleicht einfacher, mich zu distanzieren.
Außerdem machte ich den Bösen zur Hauptfigur und ließ mich dafür von einem Menschen inspirieren, der sehr anders ist als ich - und der keine gute Rolle in meinem Leben gespielt hat. Das Projekt hieß: “Ich. Du. Er”.
Aber leider hat auch das nicht funktioniert. Mein “Anti-Held” wurde im Schreibprozess mir selbst immer ähnlicher, und der Thriller immer psychologischer - und am Ende steckte ich wieder in einer Schreibkrise.
#### Der persönliche Wendepunkt, und WIP 3 - Das Buch, das die Welt gesund macht
Dann passierte etwas krasses in meinem Leben. [[Why I Stopped Publishing — and How I’m Returning on My Own Terms|Ich entdeckte im zarten Alter von 45 Jahren, dass ich AuDHD bin - unsichtbar behindert. ]]
Diese Krise motivierte mich zu einem dritten Neustart - und ich hatte endlich das Gefühl, auf Basis der neu gewonnenen Klarheit über mich selbst auch klarer schreiben zu können.
Und so entstand mein aktuelles WIP: “Das Buch, das die Welt gesund macht.” [[Schritt 1 - Der Moment, als die Idee geboren wurde | Es sollte das Buch werden, das mein früheres Ich, ca. 30 Jahre alt, hätte lesen müssen, um früher zu verstehen, was mit ihm los ist]]
Ich entwickelte einen Plot & ein Save the Cat Beat Sheet. Ich entwickelte eine mir ähnliche Hauptfigur. Und ich baute eine [[Fantasy]]- Welt, welche all die Themen, die mich innerlich beschäftigten, symbolisch abbilden.
Dann merkte ich, dass ich nicht ins Schreiben kam. Es ging einfach nicht. Irgendwas stimmte nicht am Einstieg in die Geschichte. Ich kam einfach nicht vom Planen ins Schreiben.
In meiner Not suchte ich nach neuer Anleitung, und stieß auf Lisa Crohn und “Story Genius”. Sie propagiert, dass Stories von der Hauptfigur aus entwickelt werden müssen, und so stieg ich ein in die Welt und Vorgeschichte meines Protagonisten, Peter Pankratius Pek. Um mich selbst zu disziplinieren und die Hürde zur Veröffentlichung zu senken, ist [[B. The Who - Einleitung|der Prozess seitdem öffentlich dokumentiert. ]]
Und da stecke ich bis heute. Ich komme einfach nicht ins Schreiben.
### 2. Das aktuelle Problem
- Ich komme einfach nicht ins Tempo. Immer wieder kreise ich um die gleichen Fragen, stelle Grundlegendes auf den Prüfstand. Suche den Nullpunkt. Ich kriege einfach keine “Strecke” und das, obwohl ich weiß, dass der erste Draft sowieso nur ein erster Draft ist.
- Die ständigen Zweifel lassen sich wie folgt zusammen fassen:
- Ich bin mir auf handwerklicher Ebene unsicher, ob die Geschichte funktioniert, zum Beispiel ist mein Katalyst (wie fast immer bei meinen Ideen) scheinbar positiv, was allen Schreiblehren widerspricht. Ich schaffe es nicht, meine Figur stabil starten zu lassen und dann durch ein äußeres Ereignis zu destabilisieren, sondern baue instabile Helden, die eine (scheinbar) tolle Einladung bekommen, die dann zum Alptraum wird.
- Außerdem sind meine Hauptfiguren mir selbst viel zu ähnlich, sodass ich ständig zwischen künstlerischer Freiheit und der wahren Geschichte hin und her gerissen bin.
- Und schließlich triggert die Beschäftigung mit deren Vergangenheit durch unsere Ähnlichkeit eigene Emotionen, und statt produktiv zu schreiben lande ich in einen selbstreflexiven Loch und tue mir selbst leid.
- Umgekehrt, wenn ich versuche, diesen Kreislauf zu durchbrechen und einfach kreativ zu sein, z.B. mit Zeitdruck, Zufall, wilden Kreativitätstechniken etc. - dann kommt wir das Resultat oberflächlich oder banal vor, und es fällt mir schwer, konkrete Details zu erfinden. Es ist, als gäbe es in meinem Kopf nur meine Geschichte - und sonst eine große Leere. (Ein Gedanke zur Lösung: Vielleicht sollte ich mich viel enger an eine Inspirationsvorlage halten und zum Beispiel die “Unendliche Geschichte”, auf der meine Story ja beruht, viel strenger zur Vorlage nehmen, bis hinein Kapitel, Szenen, in Sätze. Wirklich einen Re-Write versuchen, und dann diesen überarbeiten).
- Zu allem Überfluss passiert in meinem Leben parallel enorm viel auf vielen verschiedenen Fronten, so dass ich oft kann Zeit und Muße habe, um zu Schreiben. In Kombination mit meiner ja doch sehr moderaten Fähigkeit, mich zu disziplinieren, ist das nicht besonders hilfreich.
### 3. Zusammenfassung des Problems und meine Fragen
- Ich stoße immer wieder auf das gleiche Problem: Nach anfänglicher Begeisterung für ein Romanprojekt bleibe ich stecken, wenn es an den ersten Entwurf geht.
- Ich bleibe stecken, weil ich Zweifel und negative Gefühle habe, insbesondere das Gefühl, zu nah und tief an meiner persönlichen Geschichte zu sein, nicht gut genug zu schreiben, und Durststrecken nicht durchzuhalten.
- Ich bin unsicher, ob ich mich darauf fokussieren soll, die Barriere im aktuellen WP zu überwinden - oder ob es besser ist, neu anzufangen nach einem ausführlichen “Lessons Learned” der vergangenen Projekte.
- Die Unsicherheit wird verstärkt durchmehrere wiederstrebende Anleitungen und Inspirationen, die in sich alle gut sind, sich aber teilweise wieder sprechen.
Meine Fragen sind:
1. Wie soll ich weiter machen?
- “Das Buch, das die Welt gesund macht” weitertreiben, um die Blockade zu überwinden?
- Ein neues Projekt, z. B. meine Idee “Gender War” angehen?
- Eine komplette Schreibpause einlegen? Mich auf meine Beruf, den Gesangsunterricht und das Leben konzentrieren?
- Eines meiner alten Projekte aufgreifen - und mit dem neuen Wissen überarbeiten?
- Oder etwas ganz anderes?
2. Wie finde ich für die Zukunft ausreichend Sicherheit und Klarheit, um mal “voraus zu kommen”, ohne ständig alles in Frage zu stellen? Also einen Leitfaden oder eine Methode, um nicht wieder im selben Blockademuster zu landen?
Danke, dass ich mein Problem benennen durfte.
Herzliche Grüße, ich freue mich auf den Kurs.
Flo
## Zusammenfassung des Briefes mit Hilfe von “Progressive Highlighting”
> [!tldr] Der Kern meines Briefes
> - **Was mich begeistert:** ==Plotting, World Building== - und einer ==konkreten, überschaubaren Anleitung== oder Vorlage folgen
> - **Was mich bremst:** ==Zweifel, Psychologie, alte Gefühle und Perfektionismus==
> - **Was es braucht:** Ein ==klarer Plot, der mir Spaß macht== - und ==überschaubare Arbeitssprints== mit klarer Aufgabenstellung.
---
![[Links & License#^c7e67d]]