#dasbuchdasdieweltgesundmacht #whatif #neustart #schreibkrise > [!quote]- Publication Status > **Version:** 1.0 | **Status:** Freies Brainstorming > **First published:** [[2025-11-09]] | **Last updated:** [[2025-11-09]] # Schreibkrise und Neuanfang *By [Florian Prittwitz-Schlögl](https://www.linkedin.com/in/prittwitzschloegl) · Licensed under [CC BY-SA 4.0](https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/).* Ich habe eine Schreibkrise. Und zwar eine richtig fette, ordentliche. Immer, wenn ich versuche, in die Vorgeschichte von Peter zu gehen, spielt mein Hirn verrückt. Ich verfange mich in einem seltsamen Geflecht aus eigenen Erinnerungen, Versuchen schön zu schreiben, genervt sein, weil ich nicht in die eigentliche Story reinkomme, obwohl ich schon so nah dran bin. Und dann bin ich in meinem Kopf und irgenwie geht gar nichts mehr. Ich erinnere mich an Freitag abend ([[2025-11-07]]). Das [[Theater des Westens]] hatte zum Karaoke geladen, und ich wollte diesen besonderen Moment nutzen, um “[[ich gehör nur mir]]” vor all diesen Menschen zu singen. Ich war sehr nervös - und ich tat etwas, was ich noch nie so richtig getan habe: Statt es zu überspielen und mir irgendeinen schlauen Spruch für die Bühne auszudenken gab ich es einfach zu. Ich schaute die Moderatorin an und sagte einfach “ich bin nervös”. Dieser kleine Moment der Ehrlichkeit veränderte alles. Ein warmes Lächeln kam von ihr, das Publikum spürte, dass das gerade wichtig war, und war mit viel Liebe und Aufmerksamkeit dabei. Und dann zauberte ich - und konnte ich diesen Song, der mir so viel bedeutet, singnen, und zwar ziemlich schön, weich, mit viel Gefühl. Ich konnte mein Glück kaum fassen. Es ist so schwer für mich zu sagen: Ich kann das gerade nicht, ich bin überfordert. Aber es ist die Wahrheit. Ich weiß gerade nicht weiter, wie ich wieder in den Schreibfluss kommen soll. Und irgendwas sagt mir, dass das mit dem Roman selbst zu tun hat. Ich glaube, ich rede und schreibe viel zu häufig um den heißen Brei herum. Ich suche schlaue und intelligente Formulierungen, allgemeingültige Wahrheiten - und dadurch wird alles schwammig und unklar. Wenn ich zurück denke an den Moment, als mir die Idee kam zu diesem Buch, dann war das eigentlich ganz einfach: Ich wollte über Autismus schreiben. Darüber, wie es ist, ein langes Leben lang alleine zu sein in dem Gefühl, sehr, sehr anders zu sein als alle anderen. Und darüber, welches Glück es bedeutet, für dieses “Anders Sein” einen Namen zu haben, eine Community, Möglichkeiten, darüber zu sprechen, und damit umzugehen. Auch wenn man die Einsamkeit, die dem Autismus immanent ist, nie wirklich überwinden kann, einfach weil [[!🧭 Unmasking|Autismus]] in sich selbst einsam ist. Mein autistischer Teil, meine [[1 • Projects/P • Das Buch/Floflake 01.0 - Act Level Draft - 2026-04/Lou]], lebt in ihrer eigenen, kleinen Welt, und es ist nur sehr schwer, anderen Menschen begreiflich zu machen, was sie denkt, fühlt, erlebt, worum es ihr geht. Und ich glaube, da fängt das Problem an: Wenn ich schreibe, für ein Publikum schreibe, dann stelle ich mir vor, wie Menschen das lesen, was ich geschrieben habe. Und ich stelle mir vor, wie sie abschätzig oder ungläubig oder mit falschem Verständnis reagieren. Wie sie diese existenzielle Erfahrung von Einsamkeit versuchen zu verstehen - und sie damit um ihren Kern berauben. Wir Menschen haben so einen krassen Drang, Schmerz und Leid zu redzieren, wenn wir es spüren. Die existenzielle Einsamkeit, die im Autismus steckt, ist schwer aushaltbar - für uns selbst, aber auch für andere, die uns ja lieb haben. Und ich glaube, ich mache beim Schreiben den Fehler, dass ich dieses Publikum mitdenke, dass ich irgendwie versuche, es einfacher, verdaubarer zu machen. Für die anderen. Aber dabei bringe ich mich um die Wahrheit, die ich mit meinem Buch ausdrücken will. Natürlich interessiert mich auch das “allgemeine” in meinem Buch. Mir ist schon klar, dass ich nicht einfach nur ein Buch schreiben kann über das existenzielle Einsamkeitsgefühl, das außer mir in dieser spezifischen Form ja niemand kennt. Aber ich glaube, es ist meine Aufgabe, hier viel ehrlicher und klarer zu sein. Mir und den anderen mehr zuzumuten. Mit diesem intensiven Gefühl versuche ich, mich zu erinnern, was eigentlich der Kern der Idee war. Und ich glaube, es ist ganz einfach. Da ist eine einsame Seele, eine verlorene Seele. Ein Mensch, der irgendwie durch sein Leben kommt, durchaus auch mit äußeren Erfolgen, aber der... eher überlebt, dem ständig sein Haus wieder eingerissen wird. Und der keinen Namen dafür hat, was mit ihm passiert. Dieser Mensch lebt in einem ständigen Disconnect zwischen dem, wie er sich und die Welt empfindet - und dem, was alle anderen ihm sagen. Dieser Disconnect wirkt, als würde ihn die ganze Welt gaslighten. Als würde ihm permanent gesagt werden: Das bildest Du Dir ein, jetzt hab Dich nicht so, Du bist ja verrückt, jeder hat mal einen schlechten Tag. Und irgendwann ist die Person an dem Punkt, dass das passiert, was Opfern von Gaslighting eben passiert - ihre Realitätswahrnehmung löst sich auf. Und in diesem Moment, wo es nichts mehr gibt zum Festhalten, weil alle Kompensationsmechanismen versagen - in diesem Moment möchte ich, dass meine Hauptfigur einen völlig absurden Grashalm ergreift, einen vermeintlichen Rettungsanker: die Möglichkeit, in eine Fantasiewelt zu fliehen. Warum genau ist erstmal egal, es geht einfach darum, diesem unterträglichen Gegensatz zwischen der gesamten Realität und dem eigenen Sein zu entkommen. Mehr ist das gar nicht. Und dann möchte ich, dass dieser Rettungsanker sich als Alptraum erweist - und dass all das, was in der Realität passierte, hier wieder passiert. Bis der Schmerz so groß wird, dass er bereit ist, alles zu zerstören. > [!NOTE] Die Grundidee > Meine Hauptfigur muss fundamental, absolut, und unwiederbringlich **scheitern**. Und erst in diesem Moment ist er bereit für die **Wahrheit** - dass er die ganze Zeit recht hatte. Dass der “Riss der Welt” real ist. Und, dass es zu spät ist, daran noch etwas zu ändern. > ^33baa2 ---- Warum ist es mir wichtig, das zu erzählen? Was möchte ich damit sagen? Es geht mir nicht um Resignation. Im Gegenteil. Es geht mir um die befreiende Wirkung des Loslassens von einer Weltsicht, die falsch ist, und die nicht besser wird, nur weil alle anderen sie teilen. Man könnte sagen, dass es um eine Art Erlösung geht - Erlösung von dieser unglaublichen Spannung zwischen eigener Welt und allen und allem anderen. Und dann möchte ich sagen, dass es, so viel Angst wir auch haben vor dieser Erlösung - dass es danach nicht vorbei ist. Sondern eigentlich erst anfängt. Dass diese Erlösung tatsächlich der Schlüssel sein kann für Liebe, Glück und Würde. Man könnte also sagen, es geht mir darum zu sagen: Wenn es sich wie ein Kampf anfühlt, dann ist es vielleicht an der Zeit, aufzugeben und sich fallen zu lassen. Oder, etwas konkreter: > [!example] Mein Punkt > Autismus ist fundamental **einsam**. Das lässt sich auch **nicht ändern**. Aber es liegt Leben und Würde und ein großes Glück darin, nicht mehr gegen diese Tatsache anzukämpfen. ^dc85ca ---- Und wenn ich jetzt mit all dem im Hinterkopf versuche, meine Idee zu formulieren, dann würde ich sagen: In meinem Buch geht es um einen Menschen, der an der Realität verzweifelt und in eine Fantasiewelt flieht - nur um festzustellen, dass es keine Rettung gibt. Es geht um die Kraft des Schweiterns. Und, es geht um Autismus. Es geht um einen Autisten, der sein ganzes Leben lang versucht, sich und der Welt zu beweisen, dass er kein Autist ist. In der Form eines “Stell Dir vor” > [!important] Stell Dir vor... > Stell Dir vor, ein Mensch, der sein ganzes Leben lang **vergeblich versucht hat, seinen Platz in der Realität zu finden**, bekommt die Gelegenheit, in eine **alternative** **Welt** zu fliehen. Doch schnell stellt sich heraus, dass diese existenziell bedroht ist. Seine **Rettungsmission scheitert,** und erst, als er auf ganzer Linie scheitert, versteht er, dass er **nie seinen Platz in der Realität haben wird**, so wie die anderen Menschen. Doch dass sein Leben trotzdem wert ist, gelebt zu werden. ^3eddbf --- ![[Links & License#^c7e67d]]